Du kommst ursprünglich aus Köln und hast unter anderem in der IT-Branche gearbeitet - Wie bist du nach Hamburg und zum Heliumcowboy Artspace gekommen?

Das Ganze ist gewachsen, selbst die Idee dazu. Es war auch von Zufällen abhängig. Ich habe mich 2001 aus der Firma Icon Medialab verabschiedet, bei der ich drei Jahre lang Vorstand war. Drei Jahre in denen ich nur garbeitet habe und nur unterwegs war und für Kunst keine Zeit mehr hatte. Davor hatte ich eine Agentur in Köln. Das war war schon eine richtige Design-Agentur, aber mein Partner - ein australischer Bildhauer – und ich waren ja beide Künstler, insofern war auch unser Design anders als das der Konkurrenz. Kunst war für uns immer ein Thema in unserer Arbeit. Wir haben dann an Icon verkauft und die Firma in Hamburg aufgebaut. Nach meinem Ausstieg ging ich irgendwann nachts die Sternstraße entlang. Und dann war da ein Schild, dass dort Atelierwohnungen entstehen. Mir wurde klar, dass ich hier endlich das machen kann, was ich schon immer machen wollte: Ausstellungs-Events mit vielen tollen Künstlern.

Welche Zielgruppe hat der Artspace?

Ein modernes Kunstpublikum. Ich will ja gar keine klassische Galerie sein. Ich möchte meine Erfahrungen so umsetzen, wie ich mir vorstelle, dass Kunst vielen Leuten Spaß macht. Das Event-Konzept, verstärkt durch Live-Konzerte oder Koch-Kunst-Aktionen, trägt sich finanziell selbst. Es zieht die Leute an und lädt sie zum Bleiben ein. Bei einer Galerieröffnung ist gewöhnlich früh Schluss. Hier hat man bis in den frühen Morgen Party-Atmosphäre.

Die Cheap Art wird ja seit Jahren von guten Leuten vertreten. Hattest du nie Angst, verspätet in die Party-Kunstszene zu geraten?

Nein. Ganz im Gegenteil. Mit Cheap Art hat das auch nichts zu tun. Eher mit einem urbanen, modernen Kunsterlebnis. Da gehen alle aktuellen Spielarten und es werden alle angesprochen, die in der Kunst auch ein Kommunikationsbedürfnis sehen. Die “Notart"-Ausstellung mit Mario Kleinschmidt im Februar zum Beispiel – ich unterhalte mich jetzt noch mit vielen Leuten darüber, die sich ganz genau an ausgestellte Objekte erinnern können, und mir ihre Interpretationen erzählen. Und das ist für mich ein großer Erfolg. Ich habe keine Angst davor, dass das Unterhaltung ist. Kunst ist heute einfach wesentlich schnellebiger, als sie das früher war.

F: Du hast zur Finanzierung des Artspace ein Fördermodell entworfen. Wie funktioniert es?

Durch meine unternehmerische Vorgeschichte habe ich Erfahrung damit, Finanzierungsmodelle für unterschiedlichste Dinge zu entwickeln. Deshalb habe ich auch für den heliumcowboy artspace ein Beteiligungsmodell geschrieben. Die Teilhaber zahlen monatlich, aber keine Riesenbeträge. Dafür bekommen sie als Gegenleistung Kunst und eine Plattform. Es gibt ein Bild als Einstiegspräsent und von jeder Ausstellung eine Edition. Ich mache Werbung für sie – auf Einladungen, im Laden, im Web. Und sie können die Kunst und den Laden als Imageplattform für sich nutzen.

Man darf sicher gespannt auf die Jubiläumsausstellung sein?

Die Jubiläumsparty ist am 3. April und heißt “Alex Diamond's Strange Sofa". Die Ausstellung spielt mit Manipulation und Vorurteilen. Die Bilder basieren auf Collagen, die aus unterschiedlichsten Quellen stammen. Und das sind immer Menschen, die sich um ein weißes Sofa scharen. Man hat das Gefühl, sie zu kennen, sie wirken vertraut, aber man weiß nicht genau weshalb. Und daneben hängt dann ein kleiner Dia-Gucker und da ist das Originalbild drin, die Quelle. Und plötzlich wirken die Bilder gar nicht mehr so behaglich. Dazu spielt Kitty 2000, das ist die Bassistin bei den Lemonbabies und Sängerin von Team Blender, gefühlvollen Wohnzimmerpop.


Das Gespräch führte Julia Mummenhoff. Foto von Sebastian Schmidt (upfront).

 

 

 
Ebenfalls in der Szene Hamburg 04/2004 (Kasten rechts:)

Mein Lieblingskunstwerk

von Jörg Heikhaus

Mein Lieblingskunstwerk? Das ist wie die Frage nach dem Lieblingslied, dem Lieblingsfilm, dem Lieblingsessen. Es ändert sich mit dem Geschmack, dem Alter, der aktuellen Lebenssituation.

Und so ist es auch mit meinem: Mich haben schon viele Kunstwerke als Lieblinge durchs Leben begleitet, angefangen mit dem unvermeidlichen Dali zu Schulzeiten. Und seitdem ich selber Ausstellungen mache, wechselt mein Lieblingsbild noch schneller, und es fällt schwer, längere Zeit an einem Werk festzuhalten. Dafür ist meine Leidenschaft für aktuelle, lebensnahe Kunst einfach zu groß, und so werde ich rasch untreu in Bezug auf meinen absoluten Favoriten.

Mein momentanes Lieblingsbild heisst schlicht „Blau“ und stammt von Ki Yoon Ko, der im Dezember auf der Index03 vertreten war und in diesem März in meiner eigenen Galerie ausgestellt hat. Ich weiss, das klingt nach Eigenwerbung, aber es ist heute das dominierende Bild in meinem Leben. Es soll auf keinen Fall mein Geschäft in den Vordergrund rücken oder gar die Werke meiner anderen Künstler reduzieren.

Ki’s realistisches Porträt eines Obdachlosen, in wochenlanger Detailarbeit mit Graphitpulver auf eine hellblau gestrichene, 1,30x1,70 Meter große Leinwand „gepudert“, drückt Ruhe und Nachdenklichkeit aus, verführt dazu, Geschichten zu erfinden und bewegt durch die Einsamkeit des Blickes und die erstaunliche Zufriedenheit und Entschlossenheit des Gesichtsausdrucks des Porträtierten.

Es gibt Kraft und hilft, einen Augenblick innezuhalten, ohne effekthascherisch oder bedeutungsschwer zu sein. Das sind Momente, da dankt man dem Künstler für sein Talent, uns dem hektischen Alltag zu entführen.

Zumindest solange, bis eine neue Liebe ins Leben tritt.
 
 
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